Förder-Bar-Blog
- CMP Financial Engineers
- Blog
- Horizont Europa: Förderung zur Stärkung der europäischen Innovationskapazität
Horizont Europa: Förderung zur Stärkung der europäischen Innovationskapazität
Im Jahr 2014 konsolidierte die Europäische Union ihre Förderprogramme für Forschung und Innovation. Das Ergebnis war damals das Programm Horizont 2020. Diese Initiative stellte sich in der Förderperiode von 2014 bis 2020 als erfolgreich genug heraus, um eine Folgeprogramm nach sich zu ziehen: Horizont Europa. Mit diesem Förderprogramm unterstützt die EU in der Förderperiode von 2021 bis 2027 gezielt Innovationsprojekte von Forschung und Wirtschaft. Horizont Europa ist mit einem Budget von 93,5 Mrd. EUR ausgestattet. Seit Juli 2025 ist außerdem bekannt, dass das Programm um eine weitere Förderperiode (2028 bis 2034) verlängert wird. Mit einem Budget von 175 Mrd. EUR hat die EU die Finanzmittel für die Innovationsförderung noch einmal deutlich erhöht.
Horizont Europa 2021 bis 2027
Das laufende Programm baut auf drei thematische Säulen auf. Dazu zählen Wissenschaftsexzellenz, Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie Innovatives Europa. Die säulenübergreifenden Fokusthemen sind: Anpassung an den Klimawandel, gesellschaftliche Veränderung, Krebsforschung, Gesunde Ozeane, Meere, Küsten und Binnengewässer, Klimaneutrale intelligente Städte sowie Bodengesundheit und Ernährung. Antragsberechtigt sind Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Fachhochschulen mit Sitz in einem EU-Mitgliedstaat oder assoziierten Staat.
Horizont Europa 2028 bis 2034
Das Folgeprogramm verfügt nun über 4 Säulen. Diese sind: Wissenschaftsexzellenz, Globale Herausforderungen und Gesellschaft, Innovation und Europäische Forschungsinfrastruktur. Thematisch fällt auf, dass nun auch die Bereiche Verteidigung, Raumfahrt, gesellschaftliche Resilienz und Digitale Führerschaft explizit als übergreifende Themen erwähnt werden. Zudem ist es ein erklärtes Ziel der Europäischen Union, in der kommenden Programmperiode die Bürokratie bei der Antragstellung zu reduzieren. Das Antragsverfahren soll sich außerdem zeitlich verkürzen, sodass Antragsteller schneller Bescheid wissen, ob sie eine Förderung bekommen oder nicht.
Antragstellung und Fördersätze
Horizont Europa ist ein Call-basiertes Programm. Die EU veröffentlicht über das Funding-&-Tender-Portal zeitlich begrenzte und thematisch spezifizierte Förderaufrufe. Alle Horizont-Europa-Aufrufe richten sich an Konsortien. Aktuell sind die Mindestanforderungen an ein Konsortium drei Mitglieder aus drei EU-Staaten oder assoziierten Staaten. In der Regel besteht das Konsortium aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen oder Institutionen wie Krankenhäusern. Manche Aufrufe richten sich ausschließlich an Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Diese Mindestanforderungen reichen in der Regel jedoch lange nicht aus, um einen Förderzuschlag zu bekommen. Denn, alle bei einem Aufruf eingereichten Projekte stehen in Konkurrenz zueinander. Pro Aufruf werden im Schnitt ein bis drei Projekte gefördert. Da die Anzahl der Einreichungen nicht begrenzt ist, kann die Konkurrenz sehr groß sein. In der Regel umfassen Konsortien 10 bis 15 Teilnehmer. Viele Aufrufe sind mit einem zweistufigen Antragsverfahren verbunden. Zuerst stellt man einen Kurzantrag. Dieser wird im Wettbewerb zu allen im Aufruf eingereichten Kurzanträgen bewertet. Sollte man den Aufruf „gewinnen“ folgt die Aufforderung einen Vollantrag zu stellen. Es gibt auch einstufige Antragserfahren. Dabei stellt man direkt einen Vollantrag über das Funding-&-Tender-Portal, der dann evaluiert und angenommen oder abgelehnt wird.
Die Antragstellung in Horizont Europa ist umfassend und bürokratisch aufwendig. Je größer das Konsortium, desto mehr Ressourcen gilt es für den Antrag aufzuwenden. Demgegenüber stehen hohe Fördersätze. Auch Großunternehmen können in Ausnahmefällen mit bis zu 70 % gefördert werden. KMU und Forschungseinrichtungen können sogar 90 % bis 100 % bekommen. Die Budgetierung ist außerdem auf größere Projekte ausgerichtet. Projektvolumina im zweistelligen Millionenbereich sind trotz hoher Fördersätze umsetzbar.
Ob eine Antragstellung in einem Horizont-Europa-Call sinnvoll ist oder nicht, hängt vom Einzelfall ab. Ist ein Innovationsvorhaben von Anfang an als multinationales Kooperationsprojekt ausgelegt und passt inhaltlich sehr gut zu einem spezifischen Förderaufruf, kann eine Teilnahme am Antragsverfahren durchaus sinnvoll sein. Gilt es jedoch das Konsortium erst aufzubauen, ist die Antragsfrist häufig nicht lang genug und der mit der Erfolgswahrscheinlichkeit verbundene Aufwand zu hoch.